Zum Beispiel BASF [Über Konzernmacht und Menschenrechte]

Allein schon der Titel klingt doch wahnsinnig spannend oder? Er verspricht Verschwörungen aufzudecken und tief im Dreck zu wühlen. Wer wird da nicht neugierig? Als ich dieses Buch entdeckt habe, konnte ich nicht anders. Ich musste es haben. Am liebsten sofort. Deshalb danke ich an dieser Stelle ganz herzlich dem mandelbaum Verlag, dass er mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Glaubt mir, wenn ich euch sage, ich werde es anderen aufzwingen.

Inhalt: Vor einigen Jahren, 2012, gab es eine Schießerei zwischen Lonmin-Minenarbeitern und der Polizei. 34 Arbeiter wurden umgebracht. Diese Arbeiter haben sich für einen besseren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen eingesetzt. Sie haben nichts falsch gemacht und haben ihr Leben verloren als sie friedlich gestreikt haben.
BASF ist/war Großkunde von Lonmin und rühmt sich mit nachhaltigen und fairen Lieferketten. Doch das kann nicht stimmen, wenn man an das Massaker denkt.

Die BASF und ich: Ich lebe in Ludwigshafen. Der BASF Hochburg, wenn man so will. Meine Familie arbeitet da und meine Freunde machen dort ihre Ausbildung. Ich bin mit der BASF aufgewachsen. Mit dem BASF Bauernmarkt, den ich unglaublich liebe und jedes Jahr voller Beigeisterung besuche, mit den Geschichten die man von Arbeitern hört. Es fasziniert unglaublich wie groß dieses Unternehmen ist. Es ist wie eine eigene Stadt. Es gibt Buslinien, Kantinen, Hotels, gefühlt jeden Job den ihr euch ausdenken könnt und es gibt so viele tolle Aktionstage bei denen man alles kennenlernen kann.

Natürlich ist einem bewusst, dass es sich um Chemie dreht, man bekommt mit, wenn ausversehen etwas in den Rhein fließt oder etwas explodiert und Menschen zu Schaden kommen, aber das kann überall passieren, richtig? Wenn ich Leute treffe die nicht von hier sind, lass es in- oder außerhalb Deutschlands sein, dann ist die erste Frage die ich meist höre: „Macht es dir nichts aus dort zu wohnen?“ und ich immer „Nein, wieso sollte es?“.
Nie habe ich etwas schlechtes damit verbunden so groß geworden zu sein.

Da hat mich dieses Buch so unglaublich gereizt. Es gibt immer zwei Seiten und ich wollte die Kehrseite kennenlernen.

 

Meinung: Okay, ich habe keine Ahnung wie viel ihr davon mitbekommen habt. Aber der Inhalt fast es in aller aller aller Kürze zusammen. Es krazt an der Oberfläche und bitte vergebt mir, wenn ich euch nicht alles berichte was ich herausgefunden habe. Spoieleralert : )

Fangen wir doch mit der Struktur an. Das Buch ist wirklich gut gegliedert. Die Aufteilung macht Sinn und bereitet einen auf den nächsten Schritt vor. Das Wissen wird langsam aufgebaut. Niemand verlangt, dass du schon alles weißt, wenn du das Buch gekauft hast.

Es gibt jede Menge Bilder, die die Informationen noch einmal untermalen und beim Verständnis helfen. Sie geben dem Leser auch Zeit das gerade gelesene zu verarbeiten, bevor es weitergeht. Mir hat es zumindest sehr geholfen. Das ist nichts was man auf einen Rutsch liest. Ich habe einen Monat gebraucht um alles aufzusaugen, habe immer wieder mal einen Tag nichts gelesen um dann das Kapitel noch mal zu lesen. Solche Recherchen/Ausarbeitungen verdienen es vom Leser gewürdigt und anständig gelesen zu werden. Diese Ausarbeitung macht das einem leicht.

Es hat eine ansprechene Aufmachung. Innerhalb von Kapiteln gibt es Zwischenüberschriften die einen darüber informieren was als nächstes auf einen zukommt. Beim durchblättern kann man so schnell herausfinden, wo man aufgehört hat zu lesen und was noch alles auf einen zukommt.

Am Anfang fand ich es sehr hilfreich, dass immer wieder wiederholt wurde was schon geschrieben wurde. Es sind sehr viele Informationen die man da serviert bekommt. Nach einer Zeit war es allerdings ein wenig lästig wieder damit gefüttert zu werden.

Genug über die Struktur, kommen wir zum spannenden Teil:

Vorneweg muss nochmal betont werden, dass es eine schwere Kost ist. Man muss wissen worauf man sich einlässt.

Da das nun geklärt ist kann ich euch verraten, dass ich es nicht bereue dieses Buch gelesen zu haben. Es war super interessant so viel zu erfahren und hinter die Kulissen zu blicken. Es hat mir tatsächlich die Augen über ein paar Dinge geöffnet und mich angeregt selbst weiter zu denken. Selbst zu recherchieren und zu versuchen weiteres auch im world wide web wieder zu finden. Sehr anregend formuliert und man kann spüren, dass es ein gemeinsames Werk von Menschen ist, die nicht den Mund halten möchten, sondern darauf aufmerksam machen möchten was um uns herum passiert.

Bis ich es verstanden habe hat es allerdings gedauert. Meine ersten Gedanken sahen in etwas so aus: „Das ist ja als würde man eine TK-Pizza kaufen und den Käufer dann beschuldigen man sei daran betiligt, dass der nun industriell hergestellte Käse den handgefertigten Käse und damit die Jobs verdrängt hat.“
Natürlich ist das mit der BASF und Lonmin etwas ganz anderes und zurecht wird darauf gepocht, dass es Schuldeingeständnisse gibt. Versprechungen, dass die Bedingungen besser werden und Menschenrechte eingehalten werden. Eine so erfolgreiche Firma kann es sich, meiner Meinung nach, erlauben andere Produzenten zu finden, die bessere Strukturen vorzuweisen haben und evtl. teuerer sind. Oder es bei den Vertragsverhandlungen zum Dealbreaker zu machen, dass die Arbeiter besser geschützt und bezahlt werden sowie bessere Lebensbedingungen herrschen.

Ich werde das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen und andere darüber aufklären. Das Buch ist wirklich unglaublich gut aufgearbeitet und ich kann es euch nur empfehlen, wenn ihr euch für so etwas interessiert.

Allerdings kann ich nicht sagen, dass es mich sonderlich schockiert hat und das ist traurig. Richtig traurig, dass man so etwas erwartet. So sollte das nicht sein.


Seiten: 456
Verlag: mandelbaum Verlag
Preis: 26,90

 

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