Waum Buchverfilmungen meistens daneben gehen

Hey Leute,

ich muss in meinem Studium 4 Zusatzqualifikationskurse belegen. Bei 3 davon habe ich die freie Entscheidung. Dieses Semester bin ich in Drehbuchtheorie und Praxis gewesen.

Hört sich fantastisch an, oder? War es auch!

Wir Büchernerds kennen uns mit Schreibstilen aus, wissen wie ein Charakter lebendig wird und schwärmen vom bildhaften schreiben. Wir loben Nebenhandlungen und Details.
Vor allem die Details gefallen uns.
„Der Charakter kann dieses essen nicht leiden, hegt eine Abneigung gegen Hasen, besitzt ein Muttermal am linken Ohrläppchen und die Drei-Zimmerwohnung ist mager eingerichtet. Im Schlafzimmer steht in der Ecke auf dem Boden eine alte Figur aus einem Überraschungsei. Dies erinnert den Protagonist immer an seine erste Freundin….“
Ihr versteht worauf ich hinaus will. Fehlen uns diese Aspekte wirkt die Geschichte oberflächlich und schnell abgehandelt. Der Autor wollte mit dem Plot schnell voran kommen oder es gibt so viel Handlung das diese Details keinen Platz mehr gefunden haben.

In diesem Kurs haben wir ein Drehbuch gelesen (und für die Hausaufgabe werde ich noch eines lesen müssen). Habt ihr schon einmal eins zwischen den Fingern gehabt? Schon auf der ersten Seite merkt ihr den Unterschied.
Die Umgebung ist mir drei Wörtern abgeklärt (Tag, draußen, Wald). Auf das Aussehen des Ortes wird nicht näher eingegangen. Der Rest besteht aus reinem Dialog (selten sind zwischendrin Erklärungen). Keine Ahnung wie das Gesicht des Charakters aussieht. Wie und ob sich seine Emotion darin wiederspiegelt. Meint er das ironisch, sarkastisch oder todernst?

Ehrlich gesagt hatte ich große Schwierigkeiten rein zu kommen. Bei einem Buch wird einem alles serviert. Man muss sich um nichts mehr kümmern. Kann sich zurücklehnen und die Show genießen. Mit seiner Fantasie bringt man die Figuren, deren Charakter und aussehen sehr genau beschrieben werden, zum Leben.

Bei einem Drehbuch hast du das nicht. Ich musste mich anstrengen um dermaßen zwischen den Zeilen lesen zu können. Ich halte mich für eine sehr fantasiereiche Person, doch ein Drehbuch ist eine andere Sparte. Wahrscheinlich macht Übung hier den Meister. Bei unserem ersten Buch haben wir auch nicht so verstanden wie heute.

Doch das ist nicht Grund warum ihr diesen Beitrag lest. Ihr wollt wissen was bei Buchverfilmungen schief läuft.
Aus den oberen Ausführungen könnt ihr es euch eigentlich schon ableiten.
Regisseure sind Drehbücher gewohnt. Sie sind es gewohnt mit Dialog und spärlichen Informationen über die Umwelt zu arbeiten. Das bedeutet sie haben eine Menge Freiheiten. Sie haben einen großen Spielraum. Können interpretatieren und die Kulissen nach ihren Vorstellungen auswählen.

Jetzt stellt euch ein Buch vor.
Da haben wir plötzlich einen Ort genau beschrieben, wir wissen wie die Person aussieht, welche Gestiken sie bei welcher Gemütsregung tut und welcher Gedankengang sich hinter der Handlung verbirgt.
Tja, da hat der Regisseur ein Problem. Plötzlich muss er sich zurückhalten und sich an ein enges Skript halten. Sein Spielraum schrumpft in sekundenschnelle.

Das sind zwei Ebenen die passen nicht zueinander. Es sind nicht nur sehr viele Details die wir umgesetzt sehen wollen, es sind zu viele Details die in einem Film einfach nicht umzusetzen sind. Es müssen Szenen rausgeschnitten werden, damit er in die 90-Minuten passt. Wenn Szenen fehlen muss der Zusammenhang durch kleine Nebensätze gehalten werden. Nebenhandlung wird herausgeschnitten, damit mehr Zeit für den eigentlichen Plot bleibt. Doch durch das auslassen verschwindet auch die Nachvollziehbarkeit der Charaktere.
Dem Regisseur bleibt nichts anderes übrig als das Drehbuch zu ändern und wenn er schon einmal dabei ist, kann er dem ganzen ja noch seine eigene Note aufdrücken.
Plötzlich habe wir eine ganz andere Geschichte auf der Leinwand. Nur noch das Grundgerüst des Buches ist zu erkennen.

Früher habe ich nie verstanden warum Regisseure so gefeiert werden. Schließlich haben die Autoren doch die Handlung verfasst. Für mich war der Regisseur einfach jemand der darauf geachtet hat, dass die Schauspieler echt wirken.
Jetzt habe ich eine Menge Respekt für diese Menschen entwickelt. Ich glaube nicht das ich solch ein Drehbuch gut darstellen könnte. Es gehört so viel mehr als nur Fanstasie dazu.

Mittlerweile schaue ich mir Buchverfilmungen gar nicht mehr an. Denn ein weiteres Problem das nichts mit dem engen Skript oder der Interpretation zu tun hat, sind die Erwartungen und Vorstellungen.
Da habe ich mir die Person anders vorgestellt, die Bewegungen flüßiger, der Gesichtsausdruck düsterer, die Schultern breiter. Überhaupt hat man sich alles größer, beeindruckender vorgestellt. Man hat die Erwartung das der Film daran heran reicht. Wie kann er das denn nicht tun? Schließlich hatte er doch diesselbe Vorlage wie wir!
Auch jetzt schon, wenn wir über Bücher reden, merken wir wie unterschiedlich dieselben Wörter auf uns wirken.

Die erste richtige Buchverfilmung die ich mir bewusst angesehen habe war Tintenherz. Ich liebe Brandan Fraser, mit „Die Mumie“ hat er mich um den Finger gewickelt. Doch selbst ein guter Schauspieler kann nichts gegen sein Skript machen.
Dann war da der nächste große Hit. Die „Biss-Reihe“ kam in die Kinos. Auf den ersten Blick hält man sich wirklich sehr nah am Buch. Dann wurde der erste Teil gefeiert und die nächsten schweiften ab (habe ich gehört, habe über den ersten hinaus nur noch den letzten gesehen).
Momentan regieren Panem, Maze Runner, Divergent und 50 Shades of Grey die Kinos. Alles Buchverfilmungen. Jeder einzelne Film hat seine Stärken und Schwächen gezeigt.

Was sagt ihr zu diesen Buchverfilmungen? Waren sie dem Buch treu?
Was sind eure Erfahrungen mit Buchverfilmungen?  Würdet ihr mir lauthals widersprechen?
Lasst es mich doch wissen! Ich freue mich auf eure Kommentare!

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6 Gedanken zu “Waum Buchverfilmungen meistens daneben gehen

  1. Guter Gedankenanstoss. Jetzt macht vieles Sinn. Wenn ich ein Buch „schaue“ lese ich es meist nicht mehr. oder erst nach großem Abstand wenn alles verblasst ist. Danke für diese interessante Sicht

    Gefällt 1 Person

    • Danke 🙂
      In der Grundschule sagte man mir ich sollte mehr lesen, weil meine Rechtschreibung zu wünschen übrig lässt. „Noch mehr lesen?“ hab ich gedacht. Damals wie heute nehme ich die Worte gar nicht so wahr. Ein Buch ist für mich Kopfkino, genau wie für dich. Und wie jeder der meinen Blog verfolgt weiß, ist meine Rechtschreibung bis heute nicht tadellos 😀

      Gefällt 1 Person

      • Kopfkino ist der richtige Ausdruck…Und solange man weiss was gemeint ist….zum Glück gibt es hier kein Automatische Korrektur wie beim Handy….da würden manchmal eigenartige Dinge stehen….Rechtschreibung geht…Satzzeichen nach Gefühl…so ist das bei mir… 😉

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  2. Meine erste bewusste Buchverfilmung war „Eragon“. Das Buch fand ich wunderbar und freute mich auf den Film. Aber schon nach einigen Minuten war ich ziemlich enttäuscht. Saphira fliegt als Babydrache los und kommt ausgewachsen und mit Namen zurück. Es war nicht nur vieles verändert, sondern auch stark gekürzt. Auch ohne das Buch zu lesen hätte mir der Film wahrscheinlich nicht gefallen. Er wirkte irgendwie „hingeklatscht“.
    Die zweite Enttäuschung war „Percy Jackson – Diebe im Olymp“. Viele wichtige Details waren dort schlichtweg verfälscht. Zum Beispiel das Alter der Hauptcharaktere. Auch gefiel mir nicht, das die Story im Film so platt gedrückt war, im Buch gab es wesentlich mehr Hintergrund und Verstrickungen. Schade.

    Ich denke aus Sicht der Zuschauer gibt es deshalb so wenig gute Buchverfilmungen, weil man beim Lesen im Kopf quasi einen „inneren Film“ laufen lässt, der sich mit den gelesenen Seiten ständig weiterentwickelt. WIr stellen uns (mal mehr, mal weniger) genau vor wie eine Person aussieht oder vielmehr welche Wirkung sie auf den Betrachter hat.
    Sieht man dann die Verfilmung zieht man unweigerlich den Vergleich. Die Verfilmung schneidet in der Regel schlechter ab.
    Vielleicht ist das aber auch nur bei mir so, wer weiß. =)

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    • Hey, du bist nicht die Einzige der das so ergeht.
      Bei „50 Shades of Grey“ war diese eine Stelle bei der Christian sagt: Ich habe keinen Sex, ich ficke. So oder so ähnlich war es jedenfalls und im Kino haben die Leute gelacht… ja genau sie haben gelacht, weil sie den Schauspieler in der Rolle nicht ernst nehmen konnten. Stellt euch das mal vor. Eine Freundin war drin und musste mir im Internet dann diese Stelle zeigen und es war einfach zum wegschmeißen.
      Da hat man sich die Person auch ganz anders vorgestellt und die Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.
      Es ist verdammt schade, dass Buchverfillmungen wohl nie den Nagel auf den Kopf treffen werden.

      Wünsche dir einen schönen Abend
      Kaddes

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      • Aus diesem Grund habe ich mir den Film bisher nicht angesehen. 😉
        Aber schon wo ich die Hauptdarsteller präsentiert wurden war ich schon nicht begeistert. ^^

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