Das allbekannte kreative Loch

Kreativ sein ist nicht so einfach wie das alle immer glauben. Es ist harte Arbeit und erfordert deine ganze Aufmerksamkeit.

Alle paar Wochen falle ich in ein kreatives Loch. Da bekomme ich einfach nichts zustande.
Mein Kopf macht dicht. Hört auf zu arbeiten und weigert sich auch nur ansatzweise außerhalb der vorgegebenen Strukturen zu denken.
Und es ist verdammt schwer dort wieder herauszufinden. Manchmal springe ich wieder nach ein paar Tagen auf den Sattel, ein anderes Mal dauert es mehrere Monate bis ich mich wieder normal fühle und etwas aufs Papier bringe.

Es kommt nicht darauf an, ob wir mit unseren kreativen Köpfen Geld verdienen oder nicht.
Es kommt nicht darauf an, ob wir nach dem Pinsel greifen, nach einem Stift oder einem anderen Werkzeug um uns auszudrücken.
Es kommt nicht darauf an, ob wir dafür Lob und Wertschätzung erhalten (auch wenn das ein netter Bonus ist).
Es kommt darauf an, dass wir uns wohl fühlen. Das wir uns verwirklichen. Das wir in unseren Gedanken, so gut es geht, frei schalten und walten können. Das wir eben nicht die Kontrolle über alles haben oder sie gerade dort gebrauchen.

Der Maler hat am Anfang zwar einen Plan im Kopf, doch das Bild kann am Ende ganz anders aussehen.
Der Autor wünscht sich vielleicht das Glück eines Nebencharakters und am Ende stirbt er.
Der Dichter
liest am Ende über sein Werk und intepretiert es plötzlich ganz anders als gedacht.
Der Musiker versucht seinen Stil zu behalten und kreeirt plötzlich etwas komplett neues.
Der Architekt baut in seiner Freizeit sein Traumhaus.
Der Verkäufer malt sich das Konzept für seinen eigenen Laden aus.
Der Gärnter träumt von einer Fläche die er nach Herzenslust bepflanzen kann.
Der Büroangestellte hat exakte Vorstellungen und Ideen von seinem 5-Jahresplan.

Alles beginnt mit einer Idee. Kann sein, dass sie gut ist. Kann sein, dass wir sie am Ende total beschissen finden. Kann sein, dass sie einfach genial ist. Das wissen wir am Anfang jedoch nicht.

Die meisten Ideen fallen einem spontan ein. Überlegt doch mal, wo euch die meisten Ideen kommen.
Vor dem Fernseher, während eure Lieblingsserie läuft?
Beim zocken an einer der vielen Spielekonsolen?
Fällt euch etwas ein, wenn ihr im Internet surft?
Fühlt ihr euch kreativ, wenn ihr jeden abend bis tief in die Nacht auf bleibt (um fern zu sehen, zu feiern oder aus einem ganz anderen Grund)?
Wie ist es mit dem rießigen Ansturm von Neuigkeiten von Freunden oder Stars auf sozialen Netzwerken? Kommt euch da die zündende Idee?

In den meisten Fällen wohl nicht. Ich gebe zu, bei manchen dieser Tätigkeiten kam mir hin und wieder eine Idee, aber das ist zumindest bei mir eher die Ausnahme als die Regel.

Was mir also jedes mal wieder Flügel verleiht ist erstmal alle die oben genannten Dinge zu reduzieren. Am meisten geht es mir dabei jedoch um den Fernsehkonsum. Mit jeder weiteren Minute die ich davor verbringe, merke ich wie mein Kopf immer matschiger und auch langsamer wird (dabei liebe ich den verdammten Glotzkasten so sehr).
Dann verbringe ich mehr Zeit draußen. Einen langen Spaziergang. Eine Runde um den Block joggen. Mal mit mal ohne Kopfhörer. Da mal deutsche Musik, dann wieder englische.
Was mir bei diesen Schritten am besten gefällt ist dieser hier: einfach nichts tun. Sich einfach mal irgendwo hinsetzen und Löcher in die Luft starren. Das kann daheim sein, im Park, im Schwimanzug am See, neben dem Feld, auf Treppen oder in einem Café. Einfach an nichts denken und die Umwelt den Rest erledigen lassen. Je nachdem wo man sich befindet hört man Gespräche von anderen Menschen, Musik, Vogel zwitschern, das Brummen von Autos, das Geschrei des Nachbarns, den wehenden Wind, spielende Kinder, mampfende Mäuler, …

Das ist mein Geheimrezept gegen einen matschigen Kopf ohne Ideen.
Was ist eures? Was bringt euch wieder so richtig dazu euer Werkzeug der Wahl zu schwingen?

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3 Gedanken zu “Das allbekannte kreative Loch

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Ich fiele hier unter die Kategorie Dichter und Autor, denke ich. Momentan ist es so, dass ich kaum Zeit habe, selbst etwas zu tun. Nur für mich. Zum Dichten motiviert mich meistens das Alleinsein, am besten in der Natur, oder zumindest keine Anwesenheit von Leuten, die ich kenne. Die Inhalte kommen aus anderen Abschnitten.

    Beim Buch ist das anders. Ich fürchte mich offenbar irgendwie davor, weiterzuschreiben. Das ist blöd, denn wenn ich mir dann einrede, nicht motiviert zu sein und stattdessen die bisherigen Kapitel bearbeite, merke ich, wie sehr ich doch in der Geschichte und dem Schreiben aufgehe. Dann habe ich auch immer Lust, weiterzumachen, will aber auch die Bearbeitung vollenden und komme zu nichts. Dieses Wochenende soll es sich ändern.

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